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Ein Tagpfauenauge bestäubt Kirschblüten und sorgt für eine reiche Obsternte (copyright Verband deutscher Naturparke)

Insekten sind für Mensch und Natur wichtig

Bildervortrag zu Bienensterben und Artenschwund vom Naturpark und Netzwerk Streuobst im Gasthaus "Zum Hiebl-Wirt"

 

Einen interessanten Vortrag zum Thema „Insektensterben, Bienensterben, Artenschwund - ist es wirklich so schlimm?" veranstaltete das Netzwerk Streuobst Bayerischer Vorwald gemeinsam mit dem Naturpark Bayerischer Wald e.V. und dem Imkerverein Steinburg-Neukirchen. Beim Hiebl-Wirt in Neukirchen konnte Bürgermeister Rudi Seidenader, der auch dritter Naturparkvorsitzender und federführender Verantwortlicher des Netzwerkes Streuobst ist, trotz der widrigen winterlichen Straßenverhältnisse zahlreiche Teilnehmer begrüßen. Dorothea Haas, Imkerin und Landschaftsplanerin, berichtete in ihrer Bilderpräsentation über dieses interessante Thema.

 

Wie wichtig Insekten für die Menschen sind, zeigte die Vortragende anschaulich an Bildern von Lebensmitteln, die auf Insektenbestäubung angewiesen sind. Ohne Insekten würden in den Geschäften die meisten Regale von Obst, Gemüse, Ölen und vielem mehr leer bleiben. Selbst für die Fleischproduktion sind die Futterpflanzen der Tiere auf Insektenbestäubung angewiesen – erläuterte Haas, die auch den Lehrbienenstand beim Großen Pfahl in der Naturpark Umweltstation Viechtach mit betreut. Insekten sind die wichtigste Nahrungsquelle für die meisten Tierarten in der Natur - gleichsam das „Fundament der Natur". Selbst seltene Orchideen sind auf die Bestäubung von Hummeln angewiesen. Als Beispiel dafür nannte die Sprecherin das wunderschöne Holunderknabenkraut, das von Hummelköniginnen bestäubt wird. Insekten sind aber auch Zersetzter von toter Natur und spielen für das Recycling sowie den Stoffkreislauf in der Natur eine wichtige Bedeutung.

 

Ein weiterer Punkt des Vortrages war die „Krefelder Studie", die viele aufgeschreckt hat: Danach gibt es nur noch einen Bruchteil der früheren Insektenarten und -mengen. „Im Zeitraum von 27 Jahren hat man in einer Langzeitstudie von 1989 bis 2016 einen Verlust von 75% der Insekten-Biomasse festgestellt. Imker beklagen immer wieder große Völkerverluste. Das Insektensterben und der Artenschwund haben mehrere Ursachen.", konstatierte Haas. Die Überdüngung mit Stickstoff und Phosphor, sowie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei ein wichtiger Grund. Der Verlust vieler Trocken- und Feuchtbiotope, aber auch eine Verinselung viel zu kleiner Restbiotope in der Landschaft sind weitere Ursachen. Die Globalisierung macht auch vor den Insekten nicht halt, denn die berüchtigte Varroamilbe stammt von asiatischen Honigbienen. Dieser Bienen-Schädling führt immer wieder zu großen Völkerverlusten bei heimischen Honigbienen.

 

Zum Abschluss des Vortrages zeigte Imkerin Haas an praktischen Beispielen auf, wie man Insekten helfen kann: „Jeder kann im eigenen Garten heimische blühende Blumen, Sträucher und Bäume pflanzen. Ein ungepflegter Garten mit bayerischer Blumenwiese ohne Düngung und Pflanzenschutzmitteln ist insektenfreundlicher als ein eintöniger, fast lebloser Kurzrasen. Statt einem Forsythie-Strauch kann man sich auch über die wunderschön blühende Kornelkirsche oder heimische Salweide als Bienenweide im eigenen Garten freuen. Statt einer Thujenhecke ist eine gemischte Blütensträucherhecke beispielsweise mit Weißdorn oder Liguster sehr insektenfreundlich." Ebenso gibt es in der Landbewirtschaftung viele Möglichkeiten. Ein Beispiel dafür ist die „Silphie", die als blühende Energiepflanze ein regelrechtes Paradies für Insekten sei. Diese kann bei der Biosgasproduktion als Alternative zum Mais verwendet werden. „Selbstverständlich müssen Ertragsverluste für Landwirte ausgeglichen werden", meinte dazu die Referentin.

 

Bürgermeister Rudi Seidenader bedankte sich bei Dorothea Haas für den Vortrag, sowie bei Josef Brem, 1. Vorsitzender des Imkervereins Steinburg-Neukirchen und Matthias Rohrbacher, Naturpark Bayerischer Wald für die Mithilfe. Gerade naturnahe Streuobstwiesen sind nicht nur landschaftlich sehr reizvoll, sondern bieten für Insekten, Bienen und viele weitere Arten Lebensräume. Ohne Insektenbestäubung können keine Obstfrüchte gedeihen. Im Rahmen des Netzwerkes Streuobst wurden bisher ca. 1.000 neue Streuobstbäume gepflanzt – zum Nutzen für Mensch und Natur.

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