search

Mitglieder der Steuergruppe Netzwerk Streuobst beim Schnitt-Termin in Falkenfels

Erhaltungsschnitt für alte Obstbäume

Auch 2020 wieder Förderanträge für Pflegeschnitte und Neupflanzungen möglich

 

Neben der Neupflanzung ist ein fachgerechter Pflege- und Erhaltungsschnitt überalterter Bäume ganz entscheidend für den dauerhaften Bestand unserer Streuobstlandschaft.
Über das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gibt es dazu eine sehr gute Förderung. Mit diesen Naturschutzmaßnahmen im Rahmen eines BayernNetzNatur-Projektes und mit Anreizen zu mehr Wertschätzung des heimischen Obstes setzt sich das Netzwerk Streuobst nun schon seit 9 Jahren für den Erhalt dieser artenreichen Lebensräume ein.

 

Bisher waren die Gemeinden Neukirchen, Ascha, Falkenfels, Perasdorf, Rattiszell, Sankt Englmar, Stein-ach und Wiesenfelden die Pioniere und Träger des Netzwerks Streuobst Bayerischer Vorwald. Im letzten Jahr konnte es auf die gesamte ILE nord23, d.h. auf alle Kommunen im nördlichen Landkreis Straubing-Bogen ausgeweitet werden. Nach ihrer Sitzung in Wiesenfelden, wo die Schwerpunkte für das kommende Jahr abgestimmt wurden, schaute die Steuergruppe des Netzwerks noch bei einer der diesjährigen Schnittmaßnahmen vorbei. Rudi Seidenader, als 1. Bürgermeister von Neukirchen federführend im Netzwerk Streuobst, ist sich im Klaren, dass es weiterhin aufgeschlossene Grundstücksbesitzer braucht: „Wir sind jedem dankbar, der mitmacht."

 

Sie ist sicher eine der schönsten im Landkreis, die große Streuobstwiese mit über 100 Bäumen zu Füßen der Burg Falkenfels. Die Bäume sind etwa 80 Jahre alt. Einige sind bereits abgestorben, andere haben überalterte, sehr dichte Kronen und weisen viel Totholz und z.T. Mistelbesatz auf. Aber gerade Totholz und Höhlungen sind sehr wertvoll als Lebens- und Brutraum für Insekten, Vögel, die gefährdeten Fledermäuse oder auch Siebenschläfer. „Durch einen fachmännischen Schnitt kann man die Lebenserwartung des Baumes verlängern", so Kreisfachberater Johann Niedernhuber, „er wird zu neuem Wachstum angeregt und bildet wieder größere Früchte. Vitale Bäume sind auch weniger anfällig für Mistelbefall." Beim Pflegeschnitt geht es nicht in erster Linie um eine Optimierung des Ertrages, sondern es wird darauf ge-achtet, dass ein gewisser Anteil an Totholz und Höhlungen im Baum verbleibt. Auch wenn ein starker Befall mit Misteln schließlich zum Absterben des Baumes führt, sind sie aus dem Blickwinkel des Naturschutzes wertvoll und sollten nicht gänzlich beseitigt werden.

 

Passend zum alten Flurnamen „Ochsenweide" setzt der Pächter Martin Hirtreiter zur extensiven Pflege Schottische Hochlandrinder ein. Sie sind gut geeignet, weil sie ruhig und genügsam sind und wenig Trittschäden verursachen. Noch dazu sind sie ein beliebter Blickfang in Falkenfels. Zur Verjüngung der Obstwiese wurden bereits 2012, im ersten Förderjahr des Netzwerks Streuobst ,10 junge Bäume nachgepflanzt, weitere 10 Stück im letzten Herbst. Zusammen mit dem Pflegeschnitt für die Altbäume wird so dafür gesorgt, dass die Streuobstwiese auch die nächsten Jahrzehnte Bestand haben kann.

 

Margot Shimokawa von der Höheren Naturschutzbehörde zeigte sich begeistert „über die fantastische Obstwiese. Ein besserer Beitrag zur Biodiversität ist kaum vorstellbar. Wir hoffen, dass es uns im Netz-werk Streuobst gelingt, solche eindrucksvollen Wiesen auch wieder neu anzulegen." Auch Ludwig Ettl, der Bürgermeister von Falkenfels, freut sich über das Kleinod mitten im Ort und richtete seinen Dank an die Eigentümer: „Für uns ist es ein Glücksfall, dass das Waldgut Degen die Obstwiese trotz verschiedenster Begehrlichkeiten auf eine Bebauung bis heute erhalten hat".

 

Für den Pflege- und Erhaltungsschnitt alter Bäume braucht es erfahrene Fachleute. Julia Hagner vom Landschaftspflegeverband (LPV) Straubing-Bogen koordiniert die Umsetzung der Pflanz- und Schnittmaßnahmen. Sie nahm die Gelegenheit wahr, dem Schnitt-Team Wolfgang Schwahn und Werner Sklarek zu danken: „Alte Obstbäume zu schneiden ist eine anstrengende Arbeit in Anbetracht der Höhe der Bäume und der oft kalten Witterung. Wir sind daher sehr froh, fachkundige Leute zu haben, die das jedes Jahr zuverlässig übernehmen."

 

Info:
Auch 2020 gibt es wieder die Möglichkeit am Förderprogramm teilzunehmen. Wer Interesse hat, Streuobstbäume oder eine Feldhecke zu pflanzen oder mind. 30 Jahre alte Bäume durch Schnitt verjüngen zu lassen, kann sich beim LPV Straubing- Bogen unter Telefon 09421/973284 oder beim Planungsbüro MKS Ascha unter Telefon 09961/9421210 melden und kostenlos beraten lassen.

 

top